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Einschätzung zur Corona-Krise

von Rainer Michaelis

Corona-Krise | Was Anleger jetzt tun sollten!

Praktisch über Nacht hat er uns überrannt und unser Leben komplett auf den Kopf gestellt: der Coronavirus. Schaue ich aus meinem Arbeitszimmer, so sehe ich vor allem eines: gähnende Leere. Wo vor einigen Wochen noch Lieferwagen, Handwerker und Anwohner um Parkplätze kämpften, herrscht jetzt Stille. So schön das einerseits ist, so katastrophal sind doch die Folgen der Maßnahmen, die zur Bekämpfung des Coronavirus ergriffen wurden. Dass der Deutsche Aktienindex (DAX) zwischenzeitlich knapp 40 % an Wert verloren hat, scheint dabei fast noch das geringste Übel zu sein. Zwischenzeitlich hat er sich wieder an die 10.000 Marke zurück gekämpft. Viel schwerer wiegt das Gefühl von Unsicherheit, das sich bei den Menschen breit macht, denn das ist Gift für die Wirtschaft. Wer nicht weiß, ob er morgen noch in Lohn und Brot steht, wird sobald kein neues Auto, kein schickes Haus und auch kein teures Bio-Gemüse vom Markt kaufen.

Die Dimension des Problems lässt sich nur schwer erfassen. Für mich war die de facto Einstellung des Flugverkehrs ein Schlüsselmoment. Man stelle sich nur die gigantischen Mengen an Kerosin vor, die nun nicht mehr eingekauft und in den Turbinen der Flugzeuge verbrannt werden (vom positiven Umwelteffekt einmal abgesehen). Wer den Flughafen München kennt, kann zudem erahnen, wie viele Arbeitsplätze direkt und indirekt am Flugverkehr hängen: Taxifahrer, Caterer, Hoteliers, Reinigungskräfte, Sicherheitspersonal u.a. Sie alle stehen plötzlich ohne Einnahmen da, bei gleichzeitig kaum veränderten Fixkosten. Man kann über die Maßnahmen der Politik sagen und denken was man will. Ohne Hilfen wäre sicherlich nicht nur unsere Region innerhalb kürzester Zeit insolvent – ein erschreckendes Szenario.

Was bisher an den Finanzmärkten geschah

Hat man die Dimension der Krise erst einmal verstanden, wundert auch die Reaktion der Anleger an den Finanzmärkten nicht mehr. Innerhalb von wenigen Wochen stürzten die Aktienmärkte ins Bodenlose. Interessant dabei: Selbst die “Krisenwährung” Gold und die Kryptowährung Bitcoin verloren zeitweise massiv an Wert, was wieder einmal zeigt, dass vermeintlich eiserne Gesetze des Marktes im Ernstfall nicht viel wert sind. Das Verhalten der Marktteilnehmer zeigt aber auch, dass praktisch alles verkauft wurde, was nicht bei drei auf den Bäumen war. Wichtig war und ist in der heutigen Zeit vor allem Liquidität, um weiterlaufende Forderungen begleichen zu können.

Die Zentralbanken haben schnell verstanden, in welch dramatischer Situation sich Unternehmen und Banken befinden. Entsprechend großzügige Programme wurden aufgesetzt, um die Liquidität im Markt zu gewährleisten. Es herrscht ein Wettbewerb, was die Höhe der Aufkaufprogramme angeht. 750 Milliarden hier, 34 Milliarden da oder ein sogar betragsmäßig unlimitertes Aufkaufprogramm der amerikanischen Zentralbank Fed?

Was mich auch erschreckt ist, wie schnell seitens der Politik und der Zentralbanken plötzlich Tabus gebrochen werden. Helikoptergeld z. B. galt lange als eine gefährliche Maßnahme, die das Vertrauen in unser Geldsystem innerhalb kürzester Zeit zerstören kann. Unter Helikoptergeld versteht man letztlich nichts anderes als das Schenken von Geld an die Bürger ohne Gegenleistung, praktisch das Abwerfen von Geld aus einem Helikopter. Hong Kong beabsichtigt ein solches Experiment und auch die USA haben ähnliche Pläne. Wann es bei uns soweit ist und ob es überhaupt kommt? Das ist schwer zu sagen und hängt vom weiteren Verlauf der Krise ab. Und so negativ mein Kommentar dazu auch klingen mag, so sehr frage ich mich selbst immer wieder: Was ist die Alternative? Ist Helikoptergeld am Ende vielleicht doch eine legitime Maßnahme, um Masseninsolvenzen und den Kollaps unseres Wirtschaftskreislaufs zu verhindern? Ich habe keine abschließende Antwort auf diese Frage.

So könnte es weiter gehen

Die Nachfrage nach einer Vielzahl von Produkten und Dienstleistungen ist aufgrund der Ausgangsbeschränkungen und der Unsicherheit bei den meisten Menschen stark eingebrochen. Die Unternehmen versuchen mit hohen Rabatten dagegenzuhalten, um zumindest noch einen gewissen Umsatz zu generieren. Schauen Sie sich einmal im Internet in verschiedenen Onlineshops um. Dort wimmelt es derzeit nur von Sonderrabatten und Aktionen. Sinkende Preise werden die Folge sein. Das ist für Konsumenten erfreulich, für Unternehmen jedoch eine gefährliche Abwärtsspirale. Die Politik und die Zentralbanken verstehen diese Gefahr und halten mit aller Macht dagegen (siehe Stützungsprogramme). Sollte die Krise noch länger andauern, werden wir in dieser Hinsicht wahrscheinlich noch viele kreative Maßnahmen und viele große Zahlen zu sehen bekommen.

Meine Befürchtung ist jedoch, dass das ganze Geld, mit dem Politik und Zentralbanken derzeit um sich werfen, langfristig zu einer höheren Inflation führen wird. Erst Deflation, dann Inflation – so erwarten es derzeit auch andere Wirtschaftsexperten. Das Problem dabei: In welchem Zeitraum und mit
welcher Dynamik sich so eine Entwicklung abspielen wird, ist nicht zu prognostizieren. Ohne das richtige Timing ist mein kleiner Blick in die Zukunft für Sie aber nutzlos, denn das Timing ist entscheidend, um im Sinne einer renditeträchtigen Anlage investieren zu können.

Was also tun? Kopf in den Sand stecken, alles auf dem Girokonto horten und sich ermüdet dem Treiben der Märkte ergeben?
Sicherlich nicht!

Corona-Krise | keine Apokalypse, sondern ein Neuanfang

(horx.com/48-die-welt-nach-corona)

Die Corona-Krise besitzt das Potenzial für diese Gesellschaft, das Zusammenleben künftig solidarischer, nachhaltiger und gerechter zu gestalten.
Wir werden uns wundern, dass die sozialen Verzichte, die wir leisten, selten zu Vereinsamung führen. Im Gegenteil, ich glaube, dass nach einer ersten Schockstarre viele erleichtert sind, dass das viele Rennen, Reden, Kommunizieren auf Multikanälen plötzlich zu einem Halt gekommen ist. Verzichte
müssen nicht unbedingt Verlust bedeuten, sondern können sogar neue Möglichkeitsräume eröffnen. Paradoxerweise erzeugt die körperliche Distanz, die der Virus erzwingt, gleichzeitig neue Nähe. Wir lernen Menschen kennen, die wir sonst nie kennengelernt hätten. Wir haben alte Freunde wieder
häufiger kontaktiert, Bindungen verstärkt, die lose und locker geworden waren. Familien, Nachbarn, Freunde sind näher gerückt – und haben bisweilen sogar verborgene Konflikte gelöst. Die gesellschaftliche Höflichkeit, die wir vorher zunehmend vermissten, erfährt wieder einen Anstieg.

Ich bin davon überzeugt, dass zeitnah Medikamente gefunden werden, die die Überlebensrate erhöhen. Dadurch werden die Todesraten gesenkt und Corona wird zu einem Virus, mit dem wir eben umgehen müssen – ähnlich wie die Grippe und die vielen anderen Krankheiten. Medizinischer
Fortschritt wird helfen. Aber wir erfahren auch: Nicht so sehr die Technik, sondern die Veränderung sozialer Verhaltensformen ist das Entscheidende. Dass Menschen trotz radikaler Einschränkungen solidarisch und konstruktiv bleiben wird einen heilenden Impuls in Gang setzen. Die human-soziale
Intelligenz wird uns helfen. Die vielgepriesene künstliche Intelligenz, die ja bekanntlich alles lösen kann, hat bislang in Sachen Corona nur begrenzt gewirkt.

Wir sind gespannt auf das Kommende, neugierig, vorausschauend. Nach einer Zeit der Fassungslosigkeit und Angst kann eine innere Kraft entstehen. Und ich glaube, dass die Welt »endet« – aber in der Erfahrung, dass wir immer noch da sind, entsteht eine Art Neu-Sein im Inneren. Mitten im Shutdown der Zivilisation laufen wir durch Wälder oder Parks, oder über fast leere Plätze. Aber das ist keine Apokalypse, sondern ein Neuanfang.

Dow Jones_1900-2020

Wir haben unserer Einschätzung zur Corona-Krise nochmals die beiden Charts 120 Jahre Entwicklung Dow Jones (Amerikanischer Aktienindex) sowie die Entwicklung des weltweiten Aktienindex MSCI world beigefügt (siehe auch unsere Email vom 13.03.2020). Viele Krisen und Ereignisse waren, teilweise noch gewaltiger als das jetzige Szenario. Stets hat sich die Wirtschaft gegen die äußeren Einflüsse gestemmt und wie man sieht mit Erfolg. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir auch diese Krise meistern werden.

Handlungsfähigkeit und Diversifikation als oberste Ziele

Viele Anleger fragen derzeit bei uns nach, ob nun der richtige Einstiegszeitpunkt in Gold gekommen ist, oder ob man jetzt nicht gar alles in Aktien stecken sollte, um vom kommenden Aufschwung zu profitieren. Meine Standard-Antwort auf diese Fragen: “Sie stellen die falschen Fragen!”. Niemand weiß, ob der Goldpreis in den kommenden Monaten und Jahren steigen wird. Ebenso ist nicht zu prognostizieren, ob wir bei Aktien nicht noch weiter fallen werden. Niemand weiß, ob aus der Corona-Krise eine lang andauernde Aktienkrise wird oder ob wir aufgrund des vielen Gelddruckens gar einen schnellen Aufschwung erleben werden. Aus meiner Sicht ist vor allem die persönliche Handlungsfähigkeit ein wichtiges Ziel. Fragen Sie sich, wie Sie die nächsten 6-12 Monate Ihre Liquidität sicherstellen. Ihre Investments bei der AAB sind im Fall der Fälle innerhalb weniger Tage verfügbar. Gerade in Krisenzeiten ist die Diversifikation, also die Verteilung Ihres Vermögens auf unterschiedliche Anlageklassen wichtig, gerade wenn Sie Ihren Lebensunterhalt (teilweise) aus Ihrem Vermögen bestreiten.Gerne beraten wir Sie zu Aufteilung Ihres individuellen Portfolios. Ihre persönliche Handlungsfähigkeit steht als oberstes Ziel, noch über der Diversifikation. In Zeiten, in denen sich gefühlt täglich die Situation ändert, müssen wir als Anleger so flexibel wie möglich bleiben.

MSCI World 1970-2018

Während die Wirtschaftsbarometer in Europa und Nordamerika einen beispiellosen Konjunktureinbruch zeigen, sind in China erste Lichtblicke zu sehen. Im Reich der Mitte, wo das Virus seinen Ursprung hat, signalisiert eine wichtige Stimmungsumfrage in den Unternehmen eine rasche konjunkturelle Erholung nach dem Einbruch durch die Coronavirus-Krise. Die vom chinesischen Statistikamt erhobenen Einkaufsmanagerindizes (PMI) für die Industrie und für den Bereich Dienstleistungen, eroberten im März die Marke von 50 Punkten zurück, was ein Hinweis für wirtschaftliche Expansion ist. Konkret kletterte der Indexwert für die Industrie auf 52,0 und der für den Dienstleistungssektor auf 52,3 Punkte. Im Februar waren die Werte noch auf 35,7 bzw. 29,6 Zähler eingebrochen. Dabei handelte es sich um historisch einmalige Rückschläge, die durch die März-Umfrage überraschend schnell aufgeholt werden konnten. Dies ist ein Indiz dafür, dass die konjunkturelle Entwicklung einer V-Form ähnelt: auf einen scharfen Einbruch der Wirtschaft erfolgt eine ebenso schnelle Erholung. Die Erkenntnisse aus China sind für die konjunkturelle Lagebeurteilung in Europa und den USA sehr wichtig.

Ein paar persönliche Worte zum Schluss

Schon in der Finanzkrise 2008/2009 wurden zentrale Glaubensätze „ausgehebelt“. Jetzt in der Corona-Krise wurden scheinbar alle Glaubenssätze und Annahmen über Nacht auf den Kopf gestellt. Lassen Sie uns gemeinsam diese Krise bewältigen. Wir bieten ab sofort eine wöchentliche „Sprechstunde/Hotline“ getrennt für Unternehmer und Privatanleger an. Aber es ist auch wichtig, dass wir die Unterstützung kleiner lokaler Unternehmen aktiv praktizieren. Gerade die aktuellen Entwicklungen treffen unsere lokalen Unternehmen besonders hart. Kaufen Sie nicht den großen Supermarkt leer, sondern unterstützen Sie kleine Lebensmittelgeschäfte in Ihrer Nähe. Erkundigen Sie sich doch einmal bei Ihrem lokalen Gemüsehändler/Bauer, ob dieser nicht auch telefonisch Bestellungen annimmt und die Waren zu Ihnen liefert. Vielleicht freut sich auch der Spielzeugladen von nebenan über die Bestellung eines Puzzles für Ihre Kinder oder Enkel.

Vermeiden Sie Amazon und bestellen Sie lieber bei kleinen Shops, die für jeden Euro Umsatz dankbar sind. Die großen Konzerne werden die Krise wahrscheinlich mit einem blauen Auge überstehen. Ob es die kleinen Läden schaffen, ist hingegen nicht so sicher.
Und wenn wir schon dabei sind: Sollten Sie ein neues Depot (ETFs, Grüne Investments) oder eine strategische Beratung, gleich ob es um Ihre Lebensplanung oder um Ihr Unternehmen geht, benötigen, dann würden wir uns sehr freuen, wenn Sie uns kontaktieren. Auch wir freuen uns aktuell über jeden Euro Umsatz.

Bleiben Sie gesund.

Viele Grüße

Rainer Michaelis & Team

BergWerte Magazin

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